© by bauart atelier luther

Alte Stadt was nun?

Die Denkmale von heute sind die Neubauten von Gestern. Jedes Haus ist ein Beitrag seiner Zeit und muss sich daran messen lassen. Moderne Architektur führt den augenscheinlichen Nachweis dafür. Historisierendes, angepasstes bauen dokumentiert hingegen Zukunftsangst und mangelnde Entwicklungsfähigkeit.
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Das barrierefreie, energetisch optimierte multikulturelle Mehrgenerationendenkmalquartier auf Passivhausstandard mit Sozialcharta überfordert alle H.Börsch
Saaltor gleicht Schweizer Käse: Jens Luther möchte Kahlaer Einzeldenkmal zu neuem Glanz verhelfen [OTZ 18.09.2014] Wer kann sich schon ­Besitzer eines Stadttores ­nennen? Für Architekt Jens Luther war die Idee so reizvoll, dass er schon vor Jahren das Kahlaer Saaltor von der Stadt gekauft hat. Architekt Jens Luther will dem Kahlaer Saaltor zu neuem Glanz verhelfen. Vor Jahren hatte er die Immobilie gekauft. Dieses Jahr hat er mit der Sicherung des Gebäudes begonnen. Bis Anfang 2016 sollen drei Wohnungen entstehen. Foto: Annett Eger Architekt Jens Luther will dem Kahlaer Saaltor zu neuem Glanz verhelfen. Vor Jahren hatte er die Immobilie gekauft. Dieses Jahr hat er mit der Sicherung des Gebäudes begonnen. Bis Anfang 2016 sollen drei Wohnungen entstehen. Foto: Annett Eger Kahla. Da der Zahn der Zeit auch an dem Objekt nagt, war der Rudolstädter gezwungen, etwas zu tun. Als glückliche Fügung beschreibt er, dass das Landesverwaltungsamt Fördermittel in Höhe von 450 000 Euro für die statische Sicherung des Einzeldenkmals zur Verfügung stellte. "Ohne das Geld, hätte ich die Sanierung nicht in Angriff nehmen können und hätte das Saaltor verkaufen müssen", sagt er. Da es anders kam, konnte Ende Juni mit der Entkernung des Hauses und der Putzabnahme begonnen werden. Derzeit sind die Zimmermannsleute im Saaltor zu Gange, das einem Schweizer Käse gleicht. Grund sind die zahlreichen Umbauten, die in den vergangenen Jahren getätigt wurden. So sei in mehreren ­Räumen das Fachwerk durch Mauerwerk ersetzt worden. "Damit ist die Holzkonstruktion, die eigentlich das gesamte Haus trägt, gestört. Fäuleschäden durch eindringende Nässe taten ihr Übriges", erklärt der Fachmann. Die Zimmermannsleute sind nun dabei, das Fachwerk wieder herzustellen, in dem beschädigte Balken der Decken und Fachwerkswände ausgetauscht werden. Dann folgen die Mauerwerksarbeiten, bevor es an den Ausbau geht. Jens Luther geht davon aus, dass 60 Prozent der Altsubstanz des Hauses erhalten bleiben werden. Als Besonderheit nennt er eine Bohlenstube. Anders als im Museum, wo sich die Bohlen an der Decke wieder finden, existiere in einem Raum im Saaltor eine senkrechte Verbohlung. Die soll nach der Sanierung in neuem Glanz erstrahlen. Als kuriose Geschichte beschreibt der Architekt den Katasterplan. "Der Turm, der einst bis auf die Heimbürgestraße reichte, ist dort noch vermerkt. Den Turm allerdings gibt es schon seit 200 Jahren nicht mehr", erzählt er. Entstehen werden im Saaltor zwei Wohnungen mit einer Größe von 70 bis 80 Quadratmetern und eine kleine mit 35 Quadratmeter. In den Wiederaufbau will Jens Luther rund 400 000 Euro investieren. Er rechnet damit, dass Anfang 2016 die Mieter einziehen können. Sorge, Interessenten zu finden, hat er nicht, bietet das Haus doch einen ­attraktiven Blick auf den Dohlenstein und das Saaletal. Wenig Einfluss konnte er bislang auf seinen Nachbarn nehmen. Mehrfach habe Luther Kontakt zum neuen Eigentümer der ehemaligen Gaststätte "Quelle" gesucht. Froh wäre er, wenn im Zuge der Bauarbeiten am Saaltor auch etwas an der ­alten "Quelle" passieren würde. Neben der maroden Fassade, die bereits dazu geführt hat, dass der Vorplatz des Hauses abgesperrt werden musste, ist das Gebäude von Hausschwamm befallen. Luther befürchtet, dass sein frisch saniertes Haus sonst schnell wieder Schaden nehmen könnte. Das Saaltor ist älter als die Stadtmauer, die 1440 errichtet wurde. Laut Stadtarchiv muss es das Tor schon 1375 gegeben haben. Benannt ist zu dieser Zeit ein Niklas Kümmelsatz, der am Saaltor wohnte und Zinsen für die Brücke gestiftet hatte. Auch Jens Luther will wissen, wie alt das Saaltor tatsächlich ist. Aufschluss erhofft er sich anhand der alten Balken, die Hinweise auf die Entstehungszeit geben. Annett Eger / 18.09.14 / OTZ
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